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Aktionstag zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts am 02.09.2005

Am 2.9.2005, dem Jahrestag des Bibliotheksbrandes in Weimar, findet ein bundesweiter Aktionstag zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts statt. Die Landesbibliothek Coburg beteiligt sich mit einer eigenen Aktion. Sie zeigt in einer Vitrine im Vorraum einen Querschnitt verschiedener Restaurierungsfälle. Im Jahr 2005 restaurierten Büchern werden Beispiele noch schadhafter Bände gegenübergestellt, so dass der Vorher-, Nachher-Effekt besonders deutlich wird. 

Beispiele aus den Beständen der Landesbibliothek:

Verschiedenartige Beschädigungen: Einschuss als Kriegsfolge; Folge unsachgemäßer Lagerung; Buchblock abgeplatzt

Weitere Schäden: Ledereinband mit Fehlstellen; Einband fehlt, einzelne Seiten sind vom Buchblock mit Textverlust abgerissen

Nach der Restaurierung: Fehlstellen im Einband unterlegt; Einband völlig neu gestaltet; Umschlaginnenseiten des alten Einbandes wurden abgelöst und im neuen Einband montiert

Fotos: © 2005 Edmund Frey, Landesbibliothek Coburg, alle Rechte vorbehalten

Die Schrift, einerlei ob als Handschrift oder als Druck, ist das klassische Überlieferungsmedium für Wissen und Denken der Menschheit. Bibliotheken sind neben Archiven der bevorzugte Ort für die Sammlung und Bewahrung von Schriftzeugnissen. Bewahren heißt sowohl aufbewahren als auch vor dem Verfall schützen. Das Material des Schriftgutes, vor allem also das Papier, die Tinte, die Druckerfarbe, die Einbanddeckel und -überzüge sind einer vielfältigen Gefährdung ausgesetzt. Zu den großen Katastrophen wie Bränden, Wasserfluten (Hochwasser, Rohrbrüche, starker Regen), Gewalteinwirkungen (Einschüsse im Krieg, unsachgemäßer Transport und Lagerung) und Diebstahl kommt vor allem der „Zahn der Zeit“: Feuchte Raumluft fördert das Wachstum von Schimmelpilzen und anderen Mikroorganismen, Lichteinwirkung führt zur Verfärbung des Papiers und zum Verblassen der Farben, Säure in Papier und Tinten löst Zersetzungsprozesse aus. Bibliotheksmagazine, das sind die Räume für die Aufbewahrung der Bücher, müssen daher vielfältige bauliche Anforderungen erfüllen. Zu nennen sind insbesondere eine konstante Luftfeuchtigkeit und eine gleichbleibende Raumtemperatur sowie Brand-, Wasser- und Einbruchsschutzvorrichtungen. Hier arbeitet die LBC eng mit dem Staatlichen Hochabauamt und der Schlösserverwaltung zusammen. Die technischen Anlagen werden regelmäßig gewartet und gepflegt. 

Zum ganz großes Problem ist der Säurefraß geworden, ausgelöst durch den Säuregehalt des Papieres, teilweise auch der Tinten und Druckerfarben. Betroffen ist davon vor allem das sogenannte Holzschliffpapier. So wird das ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhundert unter Verwendung von Holz hergestellte Industriepapier genannt, das im Gegensatz zum älteren Hadernpapier (aus Stoff-Fetzen hergestellt) einen hohen Säuregehalt aufweist. Da die industrielle und damit preiswerte Erzeugung von Papier im 19. Jahrhundert eine regelrechte Publikationsflut auslöste, sind heute umfangreiche Bibliotheksbestände durch die säurebedingte Zersetzung gefährdet. Abhilfe schafft die Massenentsäuerung. Von der Geißel Säurefraß ist die Landesbibliothek Coburg glücklicherweise weniger betroffen. Ihre historischen Bestände stammen überwiegend aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts und sind damit auf qualitativ hochwertigem, ungefährdetem Papier gedruckt. Bestände aus dem 19. Jahrhundert sind hauptsächlich in der Herzoglichen Privatbibliothek zu finden, einer auch in materieller Hinsicht luxuriösen und exklusiven Sammlung, in der ein Massenprodukt wie säurehaltiges Papier ebenfalls keine Rolle spielt. Wo Entsäuerungsmaßnahmen notwendig sind, etwa in der umfangreichen Sammlung von historischen Spielmaterialien aus dem Landestheater, wurden in den zurückliegenden Jahren schon umfangreiche Vorkehrungen getroffen. 

Der Restaurierungsbedarf bei älteren Büchern und damit dem derzeitigen Schwerpunkt in der Landesbibliothek ist anders gelagert. Beim Buchblock, dem bedruckten Papier selbst, können Seiten lose, abgegriffen, eingerissen, anderweitig beschädigt oder schlichtweg nicht mehr vorhanden sein. Noch häufiger ist der Einband schadhaft. Einbanddeckel sind lose, der Überzug zerfetzt oder abgerieben, Pergamenteinbände erzeugen Spannung und lassen den Buchblock aufstehen etc. Nachteilig haben sich auch wohlmeinende Versuche der Vergangenheit ausgewirkt, Schäden zu beheben. So müssen vielfach Klebestreifen sorgsam abgelöst oder Kopien fehlender Seite auf schlechtem Papier wieder entfernt werden. 
Ein Patentrezept für die Restaurierung von Büchern gibt es nicht. In jedem einzelnen Fall ist sorgsam abzuwägen, welche konkreten Maßnahmen sinnvoll sind. Ziel ist stets, soviel vom Original zu erhalten wie möglich, dabei aber den weiteren Verfall zu verhindern und die künftige Nutzbarkeit sicherzustellen. Unabdingbar ist hier die konstruktive Zusammenarbeit mit erfahrenen und kundigen Restauratoren. 

Internet und digitale Veröffentlichungen sollten übrigens nicht als Gegensatz zum schriftlichen Kulturgut verstanden werden. Vielmehr bieten gerade Digitalisierungen optimale Voraussetzungen für den Bestandsschutz und Bestandserhalt. Bibliotheken beginnen gerade damit, ihre Altbestände als digitale Zweitformen, vorzugsweise im Internet, zur Verfügung zu stellen. Das erspart nicht nur den Benutzern den Gang in die Bibliothek, sondern auch den schützenswerten Originalwerken die im Nutzungsfall unumgänglichen Belastungen von Licht-, Klima- und Raumluftveränderungen. 

Silvia Pfister

Dieses Lesezeichen hat Günter Grass für den "Aktionstag" gestaltet.

 

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