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„All die Bauern in ihren netten Kleidern“ – ein königlicher Traum vom einfachen Leben

12. September bis 26. November 2011,

Mo – Do 10.00 – 17.00 Uhr; Fr, Sa  10.00 – 13.00 Uhr

 

(31.10 bis 6.11. nur Mo-Fr 10.00-13.00 Uhr)

Die Ausstellung, die anlässlich des Albert-Jahres zusammen mit der Trachtenberatung Oberfranken gestaltet wurde, ist im Silbersaal (ehemaliger herzoglicher Speisesaal) zu sehen.

Königliche Bibliothek, Schloss Windsor 
 

Eine Besinnung auf ländliche Lebensart und Kleidung gab es im 19. Jahrhundert keineswegs nur in Bayern. 1845 reisten Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819-1901) und ihr Ehemann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) zum ersten Mal in seine Heimat. Dort, im damals (bis 1918/20) noch souveränen fränkisch-thüringischen Herzogtum, gehörten dörfliche Inszenierungen und Maskeraden zu besonders beliebten Bestandteilen der höfischen Festkultur. In der Landesbibliothek Coburg überlieferte Lebenszeugnisse von Mitgliedern der herzoglichen Familie enthalten dafür zahlreiche Beispiele. Besonders aussagekräftig sind die Aufzeichnungen des ehemaligen Reichsgeneralfeldmarschalls und Oberbefehlshabers der österreichischen Armee in den Revolutionskriegen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1737-1815). Er lebte nach der Beendigung seiner militärischen Laufbahn wieder in seiner Geburtsstadt Coburg und führte regelmäßig Tagebuch (Landesbibliothek Coburg: HP 56,1065 und Eb K 33). Durch ihn wissen wir, dass besonders Herzogin Auguste (1757-1831), Alberts Großmutter, an ländlich-brauchtümlichen Lustbarkeiten großen Gefallen fand; ein Eindruck, den ihre eigenen Aufzeichnungen bestätigen (Landesbibliothek Coburg: BZ IV 5/13b, CEB 337 und CEB 394). 
 

Für Victoria, Herrscherin eines Weltreiches, war Alberts Heimat ein ausgesprochener Sehnsuchtsort. In ihrer Wahrnehmung war das kleine Herzogtum eine heile, idyllische Welt und damit ganz anders als alles, womit sie sich bei ihren Regierungsgeschäften auseinandersetzen musste. Damit nahm sie vorweg, was heute eine Massenerscheinung darstellt: Regionale Bindung, zur Schau getragen in der  Kleidung, als Gegenbewegung zu den Herausforderungen einer im Umbruch befindlichen Zeit. Bezogen auf Schloss Rosenau im Landkreis Coburg, wo Albert seine Kindheit verbrachte, notierte sie am 20. August 1845 in ihr Tagebuch: „Ich verspürte den Wunsch, für immer mit meinem geliebten Albert hier zu wohnen; wäre ich nicht das gewesen, was ich nun einmal bin, hätte ich hier mein wirkliches Zuhause. Ich werde es aber immer als mein zweites Heim, meine zweite Heimat empfinden.“ Ihr ganz besonderes Entzücken lösten Begegnungen mit einfachen Menschen in regionaler Kleidung aus. Wiederholt berichtet sie in ihren Tagebüchern darüber und fertigt Skizzen des Gesehenen an. Die Begeisterung ging soweit, dass die eigene Kinderschar wiederholt in Coburger und Gothaer Tracht gekleidet und zeichnerisch im Bild festgehalten wurde. Victorias durchaus gekonnten eigenhändigen Zeichnungen werden ergänzt durch Auftragsarbeiten, die im Umfeld der Coburg-Reisen des königlichen Paares bei namhaften zeitgenössischen Künstlern wie den Malern Georg Conrad Rothbart, William Corden und William Ross oder dem Fotografen Francis Bedford in Auftrag gegeben wurden. 
 

Die Landesbibliothek Coburg nahm das Albert-Jahr 2011 zum Anlass, Prinz Albert, Königin Victoria und Mitglieder der Coburger Herzogsfamilie als Impulsgeber für die Dokumentation und Wertschätzung von Tracht in den Fokus zu rücken.                

In einem weitgespannten Bogen führt die Ausstellung „’All die Bauern in ihren netten Kleidern’ – ein königlicher Traum vom einfachen Leben“ von Victorias und Alberts Begegnungen mit dem Phänomen über verschiedene Rezeptions- und Erneuerungsstufen bis zur ganz aktuellen erneuerten Coburger Tracht. Dank der günstigen Coburger Quellenlage konnte diese nicht nur zum Vorreiter der Trachtenerneuerung in Oberfranken, sondern mittlerweile auch zu einem regelrechten Trendsetter mit entsprechender Medienresonanz werden.  
 

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Birgit Jauernig, der Leiterin der Trachtenberatung Oberfranken, gestaltet. Sie vereinigt Text- und Bildquellen aus eigenen Beständen mit Objekten und bildlichen Darstellungen aus nahezu allen kulturellen Einrichtungen in der Stadt und im Landkreis Coburg. Besonders erfreulich war die Erlaubnis zur Nutzung von Bildquellen der Royal Collections in Schloss Windsor.  
 

Aus den Beständen der Landesbibliothek Coburg sind neben Druckausgaben der genannten Tagebücher vor allem seltene und singuläre Darstellungen von Trachten aus dem Coburger und südthüringer Raum zu sehen.

Abbildung: Heute als „Leggins“ wieder up to date: Sogenannte „Beinhosen“ als Bestandteil der ländlichen Kleidung im Coburger Land. – Aus E. Schmied: Über Volkstrachten im Allgemeinen, und besonders über die der Thüringer. In: Thüringens Merkwürdigkeiten aus dem Gebiete der Natur, der Kunst, des Menschenlebens etc. 3. Heft. Arnstadt 1829, S. 138-143 mit drei Abbildungstafeln. Landesbibliothek Coburg: Ze 4074-1829 
 

Ganz besonders ist das von Birgit Jauernig in ihrer Doktorarbeit erforschte Konvolut  „Volkstrachten“ (auch: „Coburger Mappe“) mit einer Fülle unikaler Zeichnungen zu nennen.  
 

Abbildung „Mädchen in Festtracht (li) und Kirchgangskleidung (re)“ aus: Volkstrachten. L. sel. 90.  
 

Voranzeige:

An gleicher Stelle wird vom 12. Dezember 2011 bis  24. Februar 2012 die Fotoausstellung „Bedfords Coburg – neu gesehen“ gezeigt.

 

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