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Neue Ausstellung: Almanache, Kalender und literarische Taschenbücher

Almanach "Les Amusemens de Paris". Paris, 1786


Mit fast 900 verschiedenen Titeln besitzt die Landesbibliothek Coburg eine der größten Sammlungen von Almanachen im deutschsprachigen Raum aus der Zeit von 1750 bis 1850.

Eine Auswahl dieser kleinen Kostbarkeiten, die oft reich mit Kupferstichen und handkolorierten Miniaturen ausgestattet sind, wird in einer Ausstellung im Vorsaal der Landesbibliothek vom 20. Dezember 2004 bis 2. März 2005 gezeigt. Die ganze Vielfalt dieser Gattung ist dabei zu bewundern: Von den Musenalmanachen, den Taschenbüchern für Damen, Theateralmanachen, Taschen- und Schreibkalendern bis zu den "Pariser Vergnügungen" und Galanterien und Hof- und Volkskalendern reichen die Beispiele, die auch zahlreiche Titel aus dem europäischen Ausland, vor allem Frankreich, umfassen.

Ein 28-seitiger, illustrierter Katalog ist in der Landesbibliothek kostenlos erhältlich. Die Ausstellung wurde von Gerd Schramm konzipiert und kann zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden (Montag - Donnerstag: 10 - 17 Uhr; Freitag und Samstag: 10 - 13 Uhr. Während der Schulferien: Montag - Freitag: 10 - 13 Uhr).


Almanache sind nicht nur sehr schöne Druckerzeugnisse, sondern auch eine Quelle für die Wissenschaft. Neben der Literaturwissenschaft gilt dies in besonderem Maße für die Erforschung der Alltagsgeschichte des in der Regel gutbürgerlichen Lesepublikums. Besonders kurios ist beispielhaft das Titelkupfer im "Jahrbuch zur belehrenden Unterhaltung für Damen" (vgl. Foto), das 1799 in Leipzig erschien. Diese kaum 10 cm hohe kolorierte Abbildung zeigt ein prächtig gezäumtes Pferd, das von einem ebenso prächtig uniformierten Mann am Zügel gehalten wird. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Aber die nachfolgende "Erklärung des Titelkupfers" enthüllt, dass es sich hier um einen eklatanten Fall von Reklame handelt: Auf sieben Seiten wird ausführlichst die Schönheit und Grazie von Pferden lebhaft beschworen und wird den "schönen Leserinnen" geschmeichelt. Vor allem aber wird der "ungarische Damensattel", der das abgebildete Pferd schmückt, in höchsten Tönen gepriesen und werden Ausstattungsmerkmale und Preise genannt.

Wer von den "schönen Leserinnen" - bzw. deren Ehemännern, denn Frauen konnten in jener Zeit nicht so einfach über ihre Ausgaben entscheiden - nach diesem Feuerwerk von Kaufargumenten schwach geworden war, hatte die Möglichkeit, seine Versandbestellung beim Verleger des Almanachs, dem Buchhändler Seeger in Leipzig, abzugeben: Für die Qualität der Ausführung garantierte: "Lieutenant von Tennecker".

© 2004 Landesbibliothek Coburg, alle Rechte vorbehalten

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