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Informationen über alle Veranstaltungen finden Sie auf dieser Webseite: www.coburg.de/museumsnacht

Die Museumsnacht am 10. September 2005 beginnt um 18 Uhr und dauert bis 1.00 Uhr (letzter Einlass 24.00 Uhr).

Programm der Landesbibliothek:

Neben dem Besuch der beiden Ausstellungen: "Historische Ansichten von Coburg" und "Bibliotheca Casimiriana" finden 3 Lesungen  (mit jeweils den gleichen Texten) im Andromedasaal statt unter dem Titel: 

“Der Anblick dieser Stadt war nicht angethan, mich aufzuheitern”: Fast vergessene Coburger Autorinnen und Autoren.

(Das Zitat stammt von Pauline Panam aus ihren "Memoiren")

Der Schauspieler Klaus Dieter König liest aus Texten von Georg Paul Hönn, Pauline-Adélaide Alexandre Panam und Sophie von Mensdorff-Pouilly.

Moderation: Edmund Frey

Lesungen der Kontraste:

„Lesungen der Kontraste“ sind der Beitrag der Landesbibliothek Coburg zur „Nacht der Kontraste“ der Coburger Museen am 10. September. Klaus-Dieter König trägt um 18, 20 und 22 Uhr im Andromedasaal Texte von drei sehr unterschiedlichen Coburger Autorinnen und Autoren vor, die nur noch wenigen Fachleuten bekannt sind:

Georg Paul Hönn (1662 – 1747), ein früher Vertreter eines Genres, das heute Ratgeberliteratur heißt, Pauline-Adelaide Alexandre Panam (1789 oder 1793? – 1840?), Verfasserin einer „chronique scandaleuse“ und Sophie von Mensdorff-Pouilly (1778 – 1835), Autorin romantischer „Mährchen und Erzählungen“.

- Georg Paul Hönn, in Nürnberg geboren, kam nach juristischen Studien in Altdorf und an anderen europäischen Universitäten nach Coburg, wo er Jurist, Archivar, Polizeirat, Amtmann und Scholarchat des Gymnasiums Casimirianum war. Neben einer Sachsen-Coburgischen Geschichte (1700) und einem topographischen Lexikon Frankens (1747) ist das „Betrugslexikon“, 1721 zum ersten Mal in Coburg erschienen, das meistbeachtete Werk Hönns. In bester aufklärerischer Absicht werden mehr als 300 Berufe alphabetisch aufgeführt, darunter auch inzwischen ausgestorbene Berufe wie Seifensieder oder Alchemisten. Hönn ist davon überzeugt, dass auch der „Allervorsichtigste“ nicht davor bewahrt bleibt, betrogen zu werden. Daher versucht er, durch sehr detaillierte Schilderung der möglichen Betrügereien, seine Mitmenschen vor Betrug zu warnen und ihnen Mittel zu nennen, sich davor zu schützen. Vor allem aber möchte er die „Obrigkeit“ dazu bringen, durch entsprechende Verordnungen und Gesetze dem Betrug entgegenzutreten. Bei der Beschreibung einzelner Betrügereien beruft sich Hönn auf seine Erfahrung, besonders als langjähriger Richter. Hönn zeigt nicht nur, wie im Berufsleben betrogen werden kann, sondern auch, welche Betrugsgefahren gesellschaftliche Rollen wie z.B. „Bürger“, „Edelleute“, „Ehemänner und Eheweiber“ bergen.

Den Vorwurf, sein Buch diene auch dem Betrüger, da dieser nun über alle Schliche des Betrugs informiert würde, kontert der Aufklärer Hönn mit der Überzeugung, dass solange die Menschen auf bessere Lebensverhältnisse hoffen, sie als gute Christen den rechten Gebrauch dem Missbrauch vorziehen. Hönns Buch wurde wiederholt aufgelegt und erweitert, in manchen Gegenden, vor allem von katholischer Seite, aber auch verboten.

Titelblatt der 2. und vermehrten Ausgabe 1721 aus dem Besitz der Landesbibliothek (Signatur: N IV 7/24)



- Pauline Panam, Französin griechischer Abstammung, begegnete Herzog Ernst I. 1807 in Paris auf einem Ball, als dieser wie viele andere größere und kleinere deutsche Fürsten bei Napoleon „antichambrierte“, um einen Gebietszuwachs bzw. eine Standeserhöhung zu erreichen. Pauline wurde im Alter von 14 Jahren (wenn wir ihren Angaben folgen) die Geliebte des Herzogs, der sie unter dem Vorwand, sie sei schwanger und könne bei seiner Mutter Hofdame werden, nach Coburg lockte.

Wie alles anders kam, schildert Pauline Panam in ihren „Memoiren einer jungen Griechin“ kämpferisch und voll Zorn über die von ihr erlebten Demütigungen und gebrochenen Versprechungen durch den Herzog und dessen Mutter. Die „Memoiren“ sind 1823 in französischer Sprache in Paris und gleichzeitig in englischer Sprache in London erschienen; 1826 erschienen Auszüge in deutscher Übersetzung. Eine vollständige Übersetzung wurde erst 1869 veröffentlicht. Pauline Panam beschuldigt den Herzog in ihrer dramatischen und spannungsreichen Anklage, sie als unwissendes und unmündiges Kind verführt – heute würde man dies als „sexuellen Missbrauch“ bezeichnen – und sie und den gemeinsamen Sohn, der am 4. März 1809 geboren wurde, dem Hungertod ausgesetzt zu haben. Zudem habe der Herzog durch gedungene Agenten mehrfach versucht, sie und das Kind zu ermorden. Untermauert werden die Vorwürfe durch Briefe und Dokumente, die im Anhang der „Memoiren“ abgedruckt sind. 

Es kann selbstverständlich nicht darum gehen, die damals Mächtigen aus heutiger Sicht moralisch bloß zu stellen, denn Ehebruch (des Mannes!) und Mätressenwesen waren nicht nur bei Herzog Ernst I. üblich und akzeptiert. Der Fürst von Ligne stellt deshalb zu Recht in einem dem Buch vorangestellten Brief nüchtern fest: „Die Handlungen des Herzogs von Coburg entsprechen seinem Rang ...“ Aber diese Handlungen, schreibt Ligne ebenso klar, entsprechen „...nicht mehr seiner Zeit.“ Die Französische Revolution war eine Zäsur, nach der es nicht mehr möglich sein durfte, sich als Fürst in seinem kleinen Duodez-Fürstentum so zu verhalten, als sei man immer noch absolutistischer „Sonnenkönig“ in seinem Reich. Pauline Panam unterscheidet sich wesentlich von anderen Geliebten des Herzogs. Sie schweigt nicht und duldet nicht, in der Hoffnung, dafür eine sichere Alimentation und einen Adelsrang für das gemeinsame Kind zu erhalten. Sie suchte Unterstützung einflussreicher Männer, sie droht mit der Öffentlichkeit und als alle Verhandlungen mit Vertretern des Herzogs ergebnislos bleiben, veröffentlicht sie ihr Buch. Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse wurden die „Memoiren“ auf Antrag Herzogs Ernst I. vom Bundestag verboten. Beauftragte des Herzogs sollen versucht haben, in Paris die Gesamtauflage aufzukaufen, doch dies misslang offenkundig.

Die Veröffentlichung des Buches war mitverantwortlich für das Scheitern der Ehe von Herzog Ernst I. und Herzogin Luise. Die bevorstehende Trennung führte zu einem „Hauch“ von Umsturz in Coburg, als Bürgerinnen und Bürger sich 1824 vor den Schlössern Rosenau, Ketschendorf und Ehrenburg zusammenrotteten, aus Angst, der Herzog würde seine Frau nach dem Beispiel Herzog Casimirs verhaften lassen.

Pauline Panam mit ihrem Sohn Ernst August, dessen Vater Herzog Ernst I. war (aus den "Memoiren", 1823)



- Nach diesem spannenden Kapitel aus der Coburger Sitten- und Kulturgeschichte verspricht Sophie von Mensdorff-Pouilly romantische Entspannung: Sophie, die älteste Schwester Ernst I. scheint künstlerisch besonders begabt gewesen zu sein. In ihrer Jugend hat sie gezeichnet und damit das Interesse ihres Vaters Herzog Franz Friedrich Antons geteilt, des Begründers des Kupferstichkabinetts der Kunstsammlungen der Veste Coburg.

1804, für damalige Verhältnisse mit 26 Jahren fast schon eine “alte Jungfer“, heiratete Sophie Emanuel Graf von Mensdorff-Pouilly, französischer Emigrant und Offizier in österreichischen Diensten. Bis 1813 lebte Sophie vornehmlich in Coburg. Für ihre sechs Kinder schrieb sie „Mährchen aus der Geisterwelt“ und für die Gäste ihrer Teegesellschaften verfasste sie romantische Erzählungen mit Titeln wie „Prüfungen der Liebe“, „Mathilde“ und „Der Juwelen-Lieferant“. Sophie schrieb nur für den „Hausgebrauch“ und erst 1830 erschienen „Mährchen und Erzählungen“ in Mainz, wo ihr Mann zu diesem Zeitpunkt Vizegouverneur der Bundesfestung war, in Buchform. 

Trotz des klischeehaften Figurenpersonals aus jungen, reinen Mädchen, der guten Fee, dem edlen Ritter, der treuen Liebenden etc., schreibt Sophie spannend, unterhaltsam und mit schriftstellerischem Talent. Die empfindsamen Liebesgeschichten spielen alle in einer fiktiven Zeit, angesiedelt im Nirgendwo eines idealen Mittelalters. Natürlich wenden sich alle Verwicklungen und bedrohten Liebesverhältnisse zum Guten, wie es sich auch heute noch für eine „soap opera“ gehört, die das Publikum nur angenehm unterhalten will. 

Wie viele Bücher aus dem Bereich Unterhaltungsliteratur des 19. Jahrhunderts, sind auch Sophies Geschichten nur in wenigen Bibliotheken erhalten. 1989 erschien eine Mikroficheausgabe. Auch die Landesbibliothek besitzt keine Originalausgabe, sondern lediglich einen Nachdruck der Erstausgabe. Die Bücher der Panam sind ebenso wie die Werke von Georg Paul Hönn in mehreren Exemplaren in der Landesbibliothek vorhanden.

Sophie Gräfin von Mensdorff-Pouilly, geb. Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld (Stich von 1797)


Diese „Lesungen der Kontraste“ sind ein Vorgriff auf die aus Anlass der 950-Jahrfeier der Stadt Coburg für Juli 2006 geplante Ausstellung der Landesbibliothek zu Literatur und Literaten aus und über Coburg unter dem Titel „Coburg aus dem ‚Dintenfas’“. Unter dem gleichen Titel wird auch Mitte 2006 ein Buch erscheinen, das gemeinsam mit der „Initiative Stadtmuseum Coburg e.V.“ von Edmund Frey und Reinhard Heinritz herausgegeben wird. 


Edmund Frey

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